Drei Hormonelle Störstoffe, die Sie kennen sollten.

BPA – Bisphenol A:

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  • BPA ist die Abkürzung für eine Chemikalie namens Bisphenol A und wird für die Herstellung einiger Kunststoffe genutzt, als Weich- und auch als Hartmacher und ist in vielen Beschichtungen enthalten. Also in vielen alltäglichen Gegenständen. Dazu zählen zum Beispiel Kunststoffbecher, aber auch Babyschnuller, Wasserkocher, Plastikflaschen, Plastikspielzeug, Lebensmittel-Umverpackungen, Konservendosen. Wird der Gegenstand erhitzt, kann sich die Chemikalie lösen und die Verpackung gibt den Stoff an Lebensmittel oder an unseren Organismus ab. Auch bei längerem Hautkontakt kann die Chemikalie unter Umständen in den Körper dringen.
  • Kinder können durch BPA stark in ihrem Wachstum gestört werden. Durch den Kontakt mit der Chemikalie können zum Beispiel die Organe nicht so wachsen wie sie es sollten.
  • In Kanada, Dänemark und Frankreich ist BPA zumindest bei der Herstellung von Kinderprodukten verboten.
  • Das in Verruf geratene BPA wurde oftmals durch Bisphenol S ersetzt, das sich im Nachhinein als genauso wirksames EDC entpuppt hat wie die Substanz, die es ersetzen sollte.

Tipps zum Umgang mit Bisphenol A

  • BPA-freie Trinkflaschen gibt es schon von zahlreichen Herstellern.
  • Achten Sie beim Kauf von Schnullern auf den Aufdruck „BPA free“.
  • Der Kunststoff Polycarbonat kann, wenn er alt und brüchig ist, besonders viel BPA freisetzen. Polycarbonatprodukte erkennt man wohl an dem „Recyclingcode 07“ oder dem Kürzel „PC“ auf dem Produkt.
  • Verzichten Sie im besten Fall auf Fertiggerichte. Geht es nicht anders, dann keinesfalls in der gekauften Packung erhitzen.
  • Gerade bei Haushaltsgeräten kann BPA schnell erhitzt und damit freigesetzt werden. Am besten plastikfreien Wasserkocher nutzen. 

Phthalate:

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  • Phthalate sind Weichmacher in Plastik, vor allem in dem Kunststoff PVC. Es gibt aber noch zahlreiche weitere Produkte, in denen Phthalate stecken können: Kosmetika, Spielzeug, Shampoo und andere Hygieneartikel, Farben und Lacke, LKW-Plane, Baumaterialien wie PVC-/Vinyl-Fußboden, Lebensmittelverpackungen (vor allem bei Kontakt mit Fett). Auch der typische „Neuwagen-Duft“ geht auf Phthalate zurück. Vermutet wird, dass viele Phthalate schädlich für unsere Gesundheit oder die Natur sind.
  • Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung untersuchten im Rahmen einer Langzeitstudie, wie Weichmacher auf das Immunsystem wirken. Dazu ermittelten sie bei schwangeren Frauen die Phthalat-Belastung und untersuchten später ihre Kinder. Sie entdeckten, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft einer höheren Konzentration an Weichmachern ausgesetzt waren, häufiger an Neurodermitis erkrankten. Im Blut der untersuchten Kinder fanden Forscher weniger Immunzellen. Insbesondere fehlten Zellen, die eine Überaktivierung des Immunsystems verhindern. Die Kinder hatten also keinen ausreichenden Schutz vor der Entwicklung von Allergien.(https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gefaehrliche-Weichmacher-Plastik-im-Alltag-vermeiden,weichmacher136.html)
  • Im Tierversuch konnten die Forscher zeigen, dass Phthalate bei jungen Mäusen sogar auf das Erbgut wirken: Der Weichmacher hemmte die Aktivität eines bestimmten Gens. Dadurch war das Risiko für eine Allergie oder allergisches Asthma deutlich erhöht.
  • Die Phthalate DEHP, DBP und BBP sind in Europa als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. In Kinderspielzeug und Babyprodukten sind sie verboten.
  • Ein Verbot für DINP, DIDP und DNOP für solche Produkte, „die dazu bestimmt sind, von Kindern unter drei Jahren in den Mund genommen zu werden.
  • Bei Kindern kann ein Gesundheitsrisiko bestehen, insbesondere wenn Lebensmittel mit dauerhaft sehr hohen DEHP-Gehalten verzehrt werden.
  • Phthalate gelangen auch leicht in die Umwelt, da sie kontinuierlich aus dem Kunststoff ausdünsten. Auch durch Abrieb oder Abwaschen schaffen sie es in die Umwelt. Es wird vermutet, dass Phthalate sehr lange in der Natur fortbestehen können. Im Grundwasser können Phthalate bereits nachgewiesen werden.
  • Die Menge je Phthalat wird noch als so gering eingeschätzt, dass bei Erwachsenen kein Gesundheitsrisiko bestehe. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schließt jedoch nicht aus, dass die Stoffe eine additive Wirkung haben können. Je mehr davon in der Umwelt oder im Organismus, desto schädlicher, so die naheliegende Annahme.

 Tipps zum Umgang mit Phthalaten:

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  • Vor allem fettige Lebensmittel sollten nicht in Plastik verpackt sein, da sich die Phthalate in Verbindung mit Fett leichter lösen.
  • Statt einem Boden aus PVC oder Vinyl eher klassische Bodenbeläge verwenden, zum Beispiel Fließen, Kork und Holz. 
  • Lüften und Staub wischen ist sinnvoll, da sich Phthalate gerne an Staub anheften. 
  • Gummistiefel und andere Regenkleidung besser nicht über einen längeren Zeitraum direkt mit Haut in Kontakt bringen. (https://utopia.de/oeko-test-gummistiefel-kinder-test-102880/)
  • Kosmetik gibt es auch ohne Phthalate. Naturkosmetik ist hier oft ein guter Anlaufpunkt.
  • Polyethylen und Polypropylen kommen ohne Phthalate aus. Doch auch diese Kunststoffe sind nicht vollkommen biologisch abbaubar. Der gelbe Sack kein Recycling-Wunder. Mikroplastik finden wir in Sport-Kleidung, Möbeln, Zigarettenkippen, Glitzer-Artikeln, Farben, Lacke, Reinigungsmittel und vielem mehr. Es landet in Luft via Staub und im Wasser. Also auch hier Vorsicht bei der Menge im eigenen Haushalt! Mikroplastik kommt über alle Wege zu uns zurück: der Schnee sammelt es in der Luft auf, das Wasser in den Ozeanen ist das Trinkwasser vieler Organismen. Und selbst Kläranlagen können Mikroplastik nicht herausfiltern. Und so ist es nicht verwunderlich: in unseren Lebensmitteln steckt schon Mikroplastik, Wissenschaftler fanden es etwa in Salz, Bier, Leitungswasser und Mineralwasser . Über Staub in der Luft gelangt er z.B. in unser Essen. Links dazu:
  • https://utopia.de/news/plastik-mikroplastik-essen-staub-studie/
  • https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/Waschen-ohne-Mikroplastik-6-Ratschlaege-fuer-weniger-Plastik-in-der-Waesche_10896_1.html )

Parabene: 

  • Bei Parabenen handelt es sich ebenfalls um Xeno-Östrogene. Die Salze und Ester der para-Hydroxybenzoesäure haben eine antibakterielle Wirkung und sorgen dadurch für eine lange Haltbarkeit von Produkten wie Cremes, Lippenstiften, Duschlotionen und Sonnenmilch.
    • Die gesundheitlichen Auswirkungen sind -soweit ich es finden konnte- nur für einzelne Parabene untersucht worden und dies mit unterschiedlichen Ergebnissen.
    • Untersucht wurden in den Studien Butyl- und Propylparabene sowie Methyl- und Ethylparabene. Meine Recherchen ergaben noch keine Langzeitstudien am Menschen.
    • Frauen weisen aufgrund der vermehrten Verwendung von Kosmetika eine deutlich höhere Paraben-Konzentration in ihrem Körper auf. (5)
    • Da für viele Parabene die Wirkung am Menschen noch nicht abzuschätzen ist, und andere Haltbar-Macher Allergien hervorrufen, erlaubt die EU-Kommission den Einsatz von Parabenen – in geringen Mengen:
      • Methyl- und Ethylparaben: bis zu 0,4 Prozent
      • Propyl- und Butylparaben: bis zu 0,14 Prozent
      • Isopropyl- und Isobutylparaben: verboten
      • Phenyl-, Benzyl- und Pentylparaben: verboten
    • Entscheidend ist auch hier, dass es eine Annahme gibt, dass es zu einer additiven Wirkung kommen kann. Wer also viele Produkte mit Parabenen zu sich nimmt, erhöht wieder sein Risiko. 
    • Seit 2015 hat die EU-Kommission die Verwendung von Propylparaben und Butylparaben in nicht-abwaschbaren Kosmetika für Kinder verboten. 

Tipps zum Umgang mit Parabeln:

Gebe im Text hier unter dem Stichwort Kosmetik

Quellen:

  1. „Hormongesteuert ist immerhin selbstbestimmt“; von Franca Parianen; Rowohlt Polaris, Hamburg 2020; https://amzn.to/3YZ7g1G
  2. Östrogen: Weiblicher Zyklus beeinflusst Größe des Hippocampus; 11. Oktober 2016 ; https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/70850/Oestrogen-Weiblicher-Zyklus-beeinflusst-Groesse-des-Hippocampus
  3. Ein Drittel der Kosmetika enthält hormonähnliche Stoffe; von Julia Merlot; 24.07.2013 https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/bund-studie-viele-kosmetika-enthalten-hormonell-wirksame-stoffe-a-912768.html
  4. Chemische Substanzen in Verpackungen, Cremes oder Nahrung: Wie Weichmacher & Co. das Hormonsystem stören (23.02.2016) – abgerufen am 28.12.2022 https://www.endokrinologie.net/pressemitteilungen-archiv/160223.php
  5. The Centers for Disease Control and Prevention (CDC), das ist eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, Studie Mai 2010: https://www.cdc.gov/biomonitoring/pdf/Parabens_FactSheet.pdf
  6. Parabene: Wie gefährlich sind die Zusatzstoffe in Kosmetik?; von Sven Christian Schulz, veröffentlicht am 20.01.2018; (abgerufen am 29.12.2022) https://utopia.de/ratgeber/parabene-wie-gefaehrlich-sind-die-zusatzstoffe-in-kosmetik/
  7. Aus diesen 7 überraschenden Dingen gelangt Mikroplastik ins Meer; von Annika Flatley 26. 02.2018, (abgerufen am 29.12.2022) https://utopia.de/ratgeber/ueberraschende-quellen-verstecktes-mikroplastik/
  8. Blindes Vertrauen: Wie Apps wie Codecheck & Co. unser Badezimmer filtern; von Annie; 06.04.2020; (abgerufen am 29.12.2022) https://bareminds.de/codeckeck-fuhrt-in-die-irre/
  9. Phthalate: Das solltest du über den Weichmacher wissen; von Sven Christian Schulz 25.05.2019; (abgerufen am 29.12.2022) https://utopia.de/ratgeber/phthalate-das-solltest-du-ueber-den-weichmacher-wissen/
  10. Gefährliche Weichmacher: Plastik im Alltag vermeiden, 22.10.2020, (abgerufen am 29.12.2022); https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gefaehrliche-Weichmacher-Plastik-im-Alltag-vermeiden,weichmacher136.html
  11. Was ist BPA? Einfach erklärt; von Annika Philipps; 10.09.2018 15:11; (abgerufen am 29.12.2022); https://praxistipps.chip.de/was-ist-bpa-einfach-erklaert_100219
  12. Xenoöstrogene: Das steckt hinter den synthetisch-hergestellten Verbindungen; von Nicole Hery-Moßmann; 18.05.2019; (abgerufen am 29.12.2022); https://praxistipps.focus.de/xenooestrogene-das-steckt-hinter-den-synthetisch-hergestellten-verbindungen_110915

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